Gemeindereise
Wir führen einmal pro Jahr eine Gruppenreise innerhalb der Schweiz oder ins benachbarte Ausland durch. Das Angebot richtet sich an alle kulturell und (kirchen)geschichtlich interessierten Gemeindeglieder. Das gemeinsame Unterwegs-Sein erschliesst neue Horizonte und lässt Gemeinschaft bewusst leben.
Rückblick auf die Gemeindereise vom 1. bis 4. September 2026 ins Bündnerland
Für einen Kanton wie Graubünden sind vier Tage eigentlich zu knapp bemessen. Sie lassen nur erahnen, welche Vielfalt dieser Landesteil zu bieten hat. Aber wir haben unsere vier Tage genutzt.
Am Morgen des 1. Septembers bestiegen wir in Burgdorf den Car von Chauffeur Roland Bürki. Mit von der Partie waren rund zwei Dutzend Reisende, darunter auch eine Gymnasiastin: Ana Häfliger begleitete uns im Rahmen einer «Gemeinwohlwoche». Nach einem Kaffeehalt im Glarnerland erreichten wir am Mittag Chur. In unserer Gruppe hatten wir mit Peider Mohr einen gebürtigen Bündner. Nach dem Mittagessen konnten wir von seinem Wissen profitieren. Er bot er uns eine kundige Einführung in die Geschichte und die Geographie des Kantons. Einiges von dem Erzählten konnten wir am Nachmittag im Rahmen einer Stadtführung durch Chur gleich praktisch verifizieren. Zu Fuss ging es hinauf zum Bischofssitz. Hier nahm uns eine Stadtführerin mit durch Kathedrale und Martinskirche. Schon speziell: Chur ist eine reformierte Stadt, gleichzeitig aber auch römisch-katholischer Bischofssitz. Ein erster Bischof wird bereits im Jahr 451 erwähnt.
Der zweite Tag führte uns nach Disentis. Vom Bahnhof aus wanderten wir zur idyllisch gelegenen Kirche Sontga Gada. Hier bestaunten wir gut 500jährige Fresken, die kaum etwas von ihrer ursprünglichen Farbenpracht eingebüsst hatten. Anschliessend konnten die Wagemutigen unter uns einen Gang über «La Pendenta» unternehmen, eine ziemlich neue und spektakuläre Hängebrücke über die Rheinschlucht. Einige stellten fast ein wenig enttäuscht fest: Die schwankt ja kaum. Tatsächlich bot sie einen erstaunlich sicheren Tritt. Nun aber ab ins Kloster. Dieses erreichten wir mit leichter Verspätung, konnten jedoch gerade noch dem Mittagsgebet der Benediktinermönche beiwohnen. Nach einem Mittagessen in der klostereigenen «Stiva St. Placi» genossen wir die Gesellschaft von Bruder Martin – im Konvent liebevoll «Bruder Marketing» genannt. Wir realisierten sogleich warum. Mit seiner ansteckenden Begeisterung ist er ein idealer Botschafter für sein Kloster. Lebendig und humorvoll führte er uns durch die Placi-Krypta, durch eine sich noch im Bau befindliche Anbetungskapelle und schliesslich in die Klosterkirche. Ein Teil der Gruppe kehrte anschliessend ab Ilanz standesgemäss mit der Rhätischen Bahn nach Chur zurück, um die Spuren des Flimser Bergsturzes aus nächster Nähe zu sehen.
Bei bestem Wetter – der Himmel blau, die Temperaturen um die 25 Grad – ging es am dritten Tag über Davos und den Flüelapass nach Zernez. Unterwegs erzählte uns Peider Mohr von seinem Vorfahren, dem Pfarrer Jakob Konradin von Mohr, der vor rund zweihundert Jahren in dieser Gegend gelebt und gewirkt hatte. Im 2023 neu gestalteten Nationalparkzentrum wurde unter anderem eindrücklich und unaufgeregt vor Augen geführt, wie der Klimawandel die Bergwelt verändert. Nach dem Mittagessen ging es weiter über den Ofenpass nach Müstair. Hier erwartete uns Katrin Roth-Rubi mit ihrem Gatten Ernst. Die Archäologin hat sich jahrelang mit der hier gefundenen frühmittelalterlichen Flechtwerkskulptur beschäftigt. Für uns Laien gut verständlich führte sie uns an die interessante Materie heran. Anschliessend verschoben wir aus der archäologischen Sammlung in die Klosterkirche und bestaunten hier die weltberühmten karolingischen Fresken. Diese waren 1983 für die Aufnahme der Klosteranlange ins UNESCO-Weltkulturerbe ausschlaggebend gewesen. Nach gut zweieinhalb Stunden Fahrt kehrten wir doch eher spät nach Chur zurück. Wie die vorangegangen beiden Tage liessen wir aber auch diesen bei einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.
Der Vormittag des vierten und letzten Tages unserer Reise stand im Zeichen einer Malerei, die nicht ganz bis ins Frühmittelalter zurückreicht. Im Bündner Kunstmuseum führte uns die ehemalige Luzerner Kuratorin Martina Kral kenntnisreich und mit spürbarer Begeisterung in die Werke von Ernst Ludwig Kirchner und verschiedenen Mitgliedern der Familie Giacometti ein. Giovanni, Augusto, Alberto, Diego… Hier die Übersicht zu behalten, ist eine ziemliche Herausforderung. Ihre Kunst zu bestaunen hingegen kaum. Am frühen Nachmittag verluden wir unser Gepäck und traten die Heimreise an. Dem Chauffeur war es ein Anliegen, uns dabei noch etwas zu bieten. So wählte er die Route über den Hirzel und an Luzern vorbei. Punktgenau um 18 Uhr kamen wir in Burgdorf an.
Als wir uns voneinander verabschiedeten, wurde ich gefragt: Wohin geht es im kommenden Jahr? Ich weiss es noch nicht. Wirklich nicht. Aber der Zeitpunkt für die nächste Reise steht schon mal fest: Sie wird in der Kalenderwoche 42 stattfinden. Ich freue mich darauf.
Für alle Interessierten: Am 20. Oktober 2026 werden wir im «chrüz+quer» nochmals auf unsere Reise zurückschauen (ab 15.15 Uhr im Restaurant Landhaus).
Pfarrer Manuel Dubach
Bisherige Reisen
Segantini 2010
Riemenschneider 2011
Wien 2012
Wallis 2013
Genf 2014
Konstanz 2015
Jura 2016
Nizza 2017
Appenzell 2018
Elsass 2019
Aargau 2020
Waadt 2021
Urkantone 2022
Berlin 2023
Neuchâtel 2024